Jörg: Gehalten und getragen - unterwegs mit Gott und den Menschen
Shownotes
Jörg Zimmermann ist Pfarrer. Kurz vor seinem Eintritt in den Ruhestand gibt er uns spannende Einblicke in sein Leben. Als Pfarrer national und international unterwegs, teilt er Erfahrungen und Einsichten, die für uns alle wertvoll sind.
Die unausgesprochene Konstante, die für Jörg immer mitläuft, ist die Gewissheit oder besser: das Urvertrauen, gehalten und getragen zu sein, egal was kommen mag. Die Orientierung erhält Jörg dabei vor allem aus der Bibel: "Ich stehe als Pfarrer für diese Botschaft", sagt Jörg. Unterwegs mit Gott und den Menschen zu sein, heißt für Jörg, beide Ohren und das Herz offenzuhalten, um dem, wer oder was uns begegnet, positiv gegenüber zu stehen. Diese Haltung lässt uns wahrnehmen, wie es ist. Sie lässt uns handeln und begleiten.
Jörg liebt es, unterwegs zu sein. Wichtige Orte von Jörgs Werdegangs sind u.a. Ruanda, das Rheinland (Düsseldorf, Bonn, Neuss) und Sande in Friesland. Wir lernen, welchen Aufgaben sich Jörg hier gestellt hat und welche Lösungen sich ihm angeboten haben.
Eine besondere Quelle der Kraft- und Energie ist für Jörg die Musik, vor allem die Kirchenmusik. Was hat ihn, der mehrere Sprachen fließend beherrscht, hier besonders gereizt? Was hat die Musik ihm gegeben, was über das gesprochene Wort hinausgeht?
Welche Fähigkeiten hat Jörg im Laufe der Zeit an sich entdeckt, die ihn die vielfältigen Themen seines beruflichen Umfelds gut haben meistern lassen? Und last but not least: Worin liegt sein individueller Schlüssel für die Freude und das Glück im Leben?
Freut Euch auf eine entspannt-spannende Unterhaltung mit einem ganz besonderen Pfarrer!
Transkript anzeigen
00:00:08: Hallo ihr Lieben, Willkommen beim Schlagsanentrauma.
00:00:13: Hier gibt's Schlagsane mit Biss!
00:00:16: Heute ist Jörg Zimmermann bei uns zu Gast.
00:00:20: Ob der Beruf des Fahrers?
00:00:22: Jörgs Werdegang Die Schauplätze seines Lebens die Menschen die Jörgg begleitet haben und noch vieles mehr.
00:00:31: all das
00:00:31: lässt uns aufhorchen und zuhören auch hier im Podcast.
00:00:37: Freut euch auf spannendes, manchmal vielleicht unerwartetes und bestimmt auch menschliches von dem Jörg uns heute hier berichten wird.
00:00:48: Herzlich willkommen
00:00:49: Jörgg!
00:00:52: Herzlichen Dank für die Einladung.
00:00:53: ich bin sehr gerne gekommen.
00:00:56: Das ist schön.
00:00:58: Ja wenn deine Frau Ute dich jetzt vorstellen könnte was würde sie sagen?
00:01:10: Ich nehme an, sie würde sagen ja es ist jemand der Jörg sehr stark in seinem Beruf lebt und gelebt hat.
00:01:21: Und sich jetzt allerdings allmählich mit zunehmendem Tempo darauf einrichtet demnächst in den Ruhestand zu kommen Was nicht heißt, dass er nur noch alle vier von sich strecken wird.
00:01:32: Aber das ist auch mal Zeit für andere Dinge hat mehr... ...für Privates, die Enkelkinder und Reisen mit mir Ute.
00:01:41: Ich versetze mich jetzt mal in sie hinein!
00:01:43: Und der trotzdem auch daran denkt ein paar Dinge auf Sparflamme weiterzumachen.
00:01:49: Von dem was ihn beruflich besonders am Herzen liegt.
00:01:53: Insofern aber wirklich eine neue Lebensphase anfängt,... für jetzt auch herbei wünscht und deren Beginn er auch so gewählt hat.
00:02:03: Das hört sich schon ganz nach... intensivem Leben an nach viel, was da passiert ist.
00:02:10: Da kommen wir jetzt hoffentlich auch gleich zu aber vielleicht noch vorab weil wir ja hier im Ortsteil Röttgen in Bonn sind.
00:02:19: wie fühlt es sich an für dich wieder mal hier zu sein?
00:02:22: Hier in dem alten Stadtteil von Bonn indem du lange gewirkt hast.
00:02:29: Ich komme gerne nach Röttgens zurück.
00:02:31: ich war hier zwanzig Jahre Pfarrer von hier aus.
00:02:36: Ich bin dann ja mit Ute an die Nochzee gegangen nach Sander bei Willemshafen und das war eine Distanz, die es unter anderem mit sich brachte dass wir wirklich nur sehr selten überhaupt ins Rheinland zurückgekommen sind und dann auch noch hier noch seltener.
00:02:52: Das ist wieder ein wenig häufiger geworden in den letzten Jahren weil wir seit dem Jahr Und von da ist die Distanz einfach kürzer und wir sind dann doch öfters mal wieder hier gewesen.
00:03:08: Insofern ist es jetzt etwas häufiger gewesen, dass wir hier waren.
00:03:15: Ich fühle mich nach wie vor immer wieder neu wohl hier weiß mich etlichen Leuten verbunden und komme in dem Sinne immer wieder... gerne hierher, genau wie das auch etwa jetzt zu euch der Fall ist.
00:03:29: Ja wir kennen uns ja auch schon sehr sehr lange wenn ich das ganz kurz so erinnern darf.
00:03:35: kennengelernt haben wir uns bei der anstehenden Taufe der Zwillinge und da ist mir schon etwas ganz besonders in Erinnerung geblieben was mich so beeindruckt hat.
00:03:49: dass war ohne groß vorgreifen zu wollen aber dein Auftritt Dein Auftritt bei uns in dieser kleinen Wohnung mit als großer junger Mann der Fahrer, der mit Turnschuhen kam.
00:04:03: Das war ja früher noch gar nicht so üblich und ich habe mir mal gedacht wow das ist ... das war so wahnsinnig lebendig!
00:04:11: Und das hat mich sehr gefreut und das hat sich dann auch in deiner Zeit hier so aus meiner Sicht jedenfalls sehr lebendigt dargestellt.
00:04:21: Okay, das hätte ich jetzt gar nicht mehr gewusst.
00:04:22: Also... Ich gebe ja zu, dass ich nicht immer so viel darüber nachdenke was trage ich jetzt zu welchem Anlass und beim Torfgespräch also da sich überhaupt kein Problem durch den Torschuh anzuziehen Und ihr habt mich freut es wenn euch das irgendwie positiv mitgenommen hat.
00:04:41: Ich habe das völlig vergessen, wie das damals war.
00:04:43: Das ist völlig okay bei den vielen Taufen die du hier gemacht hast.
00:04:47: Wundert mich das überhaupt nicht!
00:04:49: Es war jetzt so meine Assoziation Ja Jörg wer oder was hatte ich denn auf deinem Weg heute hier nach Hötgen?
00:04:57: Was hat dich da begleitet?
00:04:59: Begleitet hat mich das Ereignis, von dem ich gerade herkomme.
00:05:03: Wir haben in Neuss einen jungen Mann zum sogenannten Prädikanten ordiniert.
00:05:07: Das ist so was man würde sagen Laien-Prediger also jemand der keine volle theologische Ausbildung gemacht hatte aber trotzdem auch einiges an Zeit in eine Ausbildung nebenberuflicher Art investiert hat und der dann ordniert wird, das heißt also dass Vollerecht zur Verkündigung und zur Sakramenzverwaltung übertragen bekommt in unserer Kirche.
00:05:34: Der ist noch keine dreißig Jahre alt und ich habe ihn total gern begleitet als Mentor und insofern war es heute der Abschluss eines Weges den wir gemeinsam gegangen sind in die Spur setzt, selber im Verkündigungsdienst der Kirche mitzuhelfen.
00:05:50: Und ich habe gemerkt, mit welch großer Begeisterung er das angeht.
00:05:54: Das finde ich sehr schön!
00:05:56: Wir haben ja heute häufig den Eindruck, dass es immer so ein bisschen auf Rückzug geschaltet wird immer weniger und eine gewisse depressive Stimmung legt sich da häufig auf.
00:06:07: viele Diskussionen Und bei ihm und auch im ganzen Gottesdienst hatte ich den Eindruck, nein, da nimmt jemand die Sache in die Hand.
00:06:15: Geht nach vorne und gibt uns allen ein Stück weit neue Energie um nach vorne zu gehen.
00:06:21: Ich finde das tut unserer Kirche sehr gut.
00:06:23: Insofern komme ich gerade von einem Ereignisseer, dass mich sehr positiv beflügelt hat.
00:06:33: Also eine besondere Situation für dich?
00:06:37: Gleichzeitig auch eine sehr berührende Und eine, die dir vielleicht auch in der Situation, die deine Frau ja beschreiben würde.
00:06:47: Auch noch mal so ein bisschen vielleicht entgegenkommt und wenn es darum geht, in Zukunft vielleicht auch mal in eine neue Lebensphase einzutreten ist es ja vielleicht auch schön zu sehen da kommt was nach, was sich engagiert.
00:07:00: Absolut!
00:07:02: Das betrifft jetzt nicht nur Ihnen den Dennis, den wir vorhin ordniert haben sondern ich habe einen Jungen Kollegen, der ist junger als meine eigenen Kinder.
00:07:09: Aber das läuft auch ganz prima in das Zusammenarbeit und ich habe den Eindruck dass wir die Alten sag' ich jetzt mal dann auch durchaus einen Schritt zurückgehen dürfen und sollen damit andere Jungere zum Zuge kommen.
00:07:27: Und da ist mein Vertrauen eigentlich ziemlich groß Dass die Kirche weiter ihren Weg machen wird.
00:07:33: Leicht ist das alles nicht.
00:07:35: In mancherlei Hinsicht beneide ich die junge Generation der Pfarrerinnen und Pfarrern nicht unbedingt, also ich habe den Eindruck dass eine Menge Arbeit auf weniger werdende Menschen zukommt.
00:07:46: Übrigens sind da die Predikanten sehr wichtig weil sie ja als Ehrenamtliche die Hauptamtlichen unterstützen.
00:07:53: aber ich nehme auch bei vielen von denen aus der jüngeren Generation war, dass sie mit ganz viel Energie positiver Grundhaltung diese Dinge annehmen und das freut mich sehr.
00:08:08: Es gilt auch für eure Tochter Charlotte, die auf demselben Weg ist, die ich begleiten durfte schon als Kind, auch als Konfirmannin und bei der ich das auch so wahrgenommen habe sich bei ihrer Ordination dabei war also wir Die Älteren, die Alten dürfen einfach nicht in diese Unart verfallen zu denken.
00:08:26: Ja nach uns kommt gar nichts mehr oder es wird alles nur noch schlimmer oder sowas.
00:08:31: Das zieht sich für völlig unangebracht!
00:08:34: Ich habe jetzt eher so spontan das Bild von mir gehabt, dass wir alle miteinander vernetzt sind und natürlich in diesen beruflichen Ebenen auch nochmal besonders stark.
00:08:45: Und dass es nicht ein Abbruch ist wenn jemand neu dazu kommt bzw.
00:08:52: geht und dann neu dazukommt sondern sich organisch am besten im besten Fall entwickeln kann.
00:08:59: Das ist zu hoffen.
00:09:00: ich sehe da auch an vielen Stellen Ansätze.
00:09:03: Es gibt gleich wohl ganz enorme Fragestellungen und auch Probleme, die im Raum stehen.
00:09:08: Da will ich gar nicht drumherum reden.
00:09:11: Können wir noch in Detail drauf zu sprechen kommen?
00:09:14: Aber mir gefällt und imponiert diese Grundhaltung, die ich bei den von mir erwähnten jungen Leuten beobachte und denke darüber dürfen wir die Älteren, die jetzt einmalig wie gesagt etwas zurücktreten sehr dankbar sein.
00:09:32: Du bist in deinem Leben sehr viel unterwegs, früher und heute auch noch.
00:09:37: Wie ist das für dich wenn du unterwegs bist?
00:09:40: Wenn du auf Reisen bist, auf weiteren oder aber auch kürzeren wie meinetwegen jetzt aus Neues hier nach Bonn.
00:09:47: Wo ist da deinen Fokus, deine Orientierung?
00:09:53: Also ganz grundsätzlich im meinem Leben würde ich schon mit Überzeugung sagen es meine Orientierung gegeben durch meinen christlichen Glauben.
00:10:03: Mir ist im Laufe der Jahre die Botschaft der Bibel immer wichtiger geworden.
00:10:09: Und je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto unerschöpflicher finde ich den Reichtum, der da für uns bereit liegt.
00:10:20: Ich hatte das große Glück dass ich nach meiner letzten Fahrstelle an der Nordsee als ich dann wieder ins Rheinland kam Inneust mit der Aufgabe konfrontiert wurde, drei Bibelkreise leiten zu dürfen und davon zwei wöchentlich.
00:10:38: Das hatte ich so in meinen früheren Stellen nirgendwo gehabt und habe mich diese Aufgabe gerne gestellt und merke wie mir dieses Buch am Herzen liegt seine Botschaft, seine Widersprüche auch die Spannungen darin, die Schwierigkeiten darin nochmal gesagt, was für ein unerschöpfliche Erreichtum darin liegt.
00:11:01: Und das ist so etwas wo ich meinen Fokus immer wieder neu versuche zu justieren in dieser Botschaft und dass egal wo ob ich jetzt von Neues nach Röttning gekommen bin wie heute oder das denke ich mal darauf spielst du im Hintergrund ja an Dass ich auch manchmal sehr weit weg unterwegs bin.
00:11:21: Ich habe in Afrika gelebt war letztes Jahr zweimal wieder in meiner, in Anführungsstrichen zweiten Heimat in Rwanda.
00:11:31: Das ist für mich ein Kontinuum das für alle diese Orte gilt und was ich überall hin mitnehme.
00:11:39: So wie ein Kompass?
00:11:41: Ich hoffe dass es ein Kompass für mich ist!
00:11:43: Ich hoffe daß ich mich nach ihm richte.
00:11:45: ob mir das immer gelingt das will ich jetzt gar nicht behaupten aber mein Versuche meinem Bemühen und meiner Absicht gehen in diese Richtung.
00:11:56: Und wenn es dir gelingt, was gewinnst du dadurch?
00:12:01: Ich habe durch die Botschaft für dich als Pfarrer auch Stehe, die meinen Berufssättigkeit prägt ein sehr tiefes Urvertrauen erst einmal gewonnen.
00:12:13: ich glaube sagen zu können ich weiß mich ganz tief mit meinem Herzen gehalten egal in welcher Lebenssituation Egal was auch kommen mag, was ich nicht alles vorher weiß.
00:12:25: Das ist ja klar, weiß niemand.
00:12:27: Aber ich habe immer die Erfahrung machen dürfen... Ich werde gehalten!
00:12:31: Es gibt liebe Menschen, die mich begleiten und ich darf auch vertrauen darauf dass es schön ist diese Botschaft zu teilen weiterzugeben und andere Menschen damit vielleicht auch ein Stück weit selber glücklicher zu
00:12:50: machen.
00:12:53: Die Freude und das Glück, das Versprechen darauf lässt uns ja vielleicht auch positiver sein in einer Zeit, in der es viele Dinge gibt die allen anderen Anlass eigentlich zeigen.
00:13:06: Und das zu teilen stelle ich mir auch immer als wunderbares Verbindungsstück unter den Menschen vor.
00:13:17: Ja.
00:13:20: um da nochmal ein bisschen noch mehr nachzufragen, bist du dann
00:13:24: auch
00:13:25: in einer zukünftigen Vision wie es mal sein kann so wie ich das jetzt gerade rausgehört habe oder ist das so im Moment?
00:13:35: Ich erhoffe mir dass auch für die Zukunft weil ich in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht habe.
00:13:40: Das trägt und daraus erwächst meine Hoffnung für die.
00:13:51: Ich bin nicht im Wolken Kuckucksein oder sowas.
00:13:53: Also ich glaube schon, dass ich ein recht realistischer und geerdeter Mensch bin der durchaus wahrnimmt was in dieser Welt alles schlecht läuft der auch an sich selber durchaus Defizite feststellt.
00:14:07: aber mitten in alle dem die Erfahrung machen zu dürfen es geht voran du wirst gehalten Du wirst getragen Und auch wenn manche Wege eher zick zack gehen als nur gerade Das ist für mich ganz wichtig geworden und hat mir ja vielleicht auch ein bisschen gelassen hat, für die Zukunft mitgegeben.
00:14:30: Das würde ich als ein Kontinuum in meinem Leben empfinden!
00:14:37: Und deine Vision?
00:14:38: Für dich
00:14:39: selbst?!
00:14:41: Ich hoffe dass sich jetzt in der Lebensphase vor mir steht ein ganzes Stück weit den Akzent noch mehr auf mein Privatleben richten kann.
00:14:52: Das ist tatsächlich meine Absicht Unternehmungen mit meiner Frau, Unternehmen zu und mit Enkelkindern die alle weit weg wohnen gemeinsam mit unseren Kindern.
00:15:05: also da verspreche ich mir schon was von aber auch etwas in einem reduzierten und besonders konzentrierten Maß weitere Pastoralitätigkeiten betrifft, erhoffe ich mir auch da neue Erfahrungen.
00:15:21: Wollen wir doch mal sehen was da vielleicht noch wartet?
00:15:24: Also da bin ich jetzt positiv gespannt drauf und lasse mich einfach mal gerne auf diese Neue Lebensphase mit veränderten Prioritäten
00:15:34: ein.
00:15:37: Wir haben eben schon das Stichwort Rwanda gehört aber auch Nordfriesland bzw.
00:15:44: Friesland ist ja noch mal was anderes.
00:15:47: Das ist mir völlig klar, Entschuldigung!
00:15:51: Aber
00:15:53: auch andere Orte sind da ja gefallen, andere Sprachen die vielleicht auch an der Orts gesprochen werden... Was hatte ich denn da?
00:16:01: Was war denn da so vielleicht besonders wichtig für dich?
00:16:06: Welche
00:16:07: davon?
00:16:08: Ja so Wonder steht schon ganz weit oben das muss ich sagen.
00:16:11: Ich bin als Im Grunde schon als Schüler in Kontakt mit Rwanda gekommen, weil mein Hamert-Kirchenkreis in Düsseldorf eine Partnerschaft mit einem Kirchenkreisen in Rwunda begründet hat.
00:16:23: Mein Vater war da daran beteiligt und ich habe das damals, wenn ich zurückrechne, war ich da... ...sechzehn, siebzehn Jahre alt.. Mitbekommen und fand es total spannend!
00:16:32: Ich hatte irgendwie immer einen Drang hin ins Internationale.
00:16:37: Weiß nicht?
00:16:37: Das ist mir irgendwie Inherent, würde ich mal sagen.
00:16:41: Ich war in der Schule immer gut in Fremdsprachen.
00:16:44: Das hat mir dabei sicher geholfen.
00:16:47: Alles mathematische Naturwissenschaftliche ist für mich eher schwierig gewesen Aber der ganze sprachliche Bereich Der hat mich immer sehr fasziniert und interessiert.
00:16:56: Und so kam es das sich mit zwanzig Jahren, neunzeitzehn achtzig An einem Jugendaustausch teilgenommen habe in Rwanda.
00:17:05: wie gesagt Zwölfrundische und zwölfdeutsche Jugendliche.
00:17:10: Sechs Wochen, den ganzen Sommer fällen übereinander ein Haus gebaut für einen Landarzt Praxis.
00:17:19: Ein Haus das zur Keimzelle eines Krankenhauses geworden ist, das nach wie vor steht.
00:17:24: Ich habe es letztes Jahr noch angeschaut.
00:17:27: Ich kann immer noch jedem die Wand zeigen, die ich damals mit einem Freund gemauert habe.
00:17:31: Sie steht
00:17:32: noch.
00:17:33: Hat Krieg genutziert, alles in Ruanda überstanden?
00:17:37: Ja ja also das ist vielleicht auch so ein bisschen symboltrechtig für mich und ein bisschen tröstlich bei vielem was in Ruand ganz ganz furchtbar war.
00:17:47: Und dann war für mich aber nach diesem Jugendcamp, zunächst mal mit Rwanda eigentlich wieder Schluss.
00:17:54: Wobei zwei Jahre später wieder ein Camp stattfand, das ist jetzt in vierundachtzig diesmal in Deutschland.
00:17:58: Wieder mit zwölf Deutschen und zwölffrundischen Jugendlichen.
00:18:01: Da war ich wieder dabei.
00:18:02: Darf ich da kurz einhaben?
00:18:03: Wer hat denn sowas organisiert?
00:18:05: Das waren die Kirchenkreise, diese Partnerschafts.
00:18:08: Ah!
00:18:08: Und dein Vater
00:18:09: war ... Der war damit beteiligt.
00:18:11: Er war aber bis dahin nie in Rwander gewesen.
00:18:13: Es war wesentlich später, dass er ein einziges Mal dort war.
00:18:17: Und also diese Jugendbegegnungen, beide einmal dort, einmal hier.
00:18:21: Die haben mich schon ganz, ganz tief geprägt!
00:18:24: Also ich habe einen Freund dort gewonnen den ich als ein meiner allerbesten Freunde bezeichne.
00:18:32: Wir stellen immer wieder fest wir sind jetzt also von der Zer-II Rechnis bisher vierundvierzig Jahre sind das glaube ich sind wir eng befreundet und das hat immer fortgedauert Und ich habe jetzt gerade vor einer guten Woche seinen ältesten Sohn, mein Patenkind in Belgien kirchlich getraut.
00:18:54: Wir haben ganz enge Verbindungen zusammen und das hat mir schon immer viel bedeutet.
00:19:00: Und dann war es halt so.
00:19:02: als ich am Ende meiner Ausbildung war im Wupperteil wurde ich angesprochen von einem dort ansässigen Missionswerk eine Mitarbeiter für ein Teil französischer Mission im Wuperteil Ob ich vielleicht Interessette mit meiner Frau, meine ersten Frau.
00:19:15: Wir waren damals eine junge Familie mit einem Kind nach Wanda zu gehen um dort als Fahrer zu wirken.
00:19:24: Dabei hatte ich gar nicht mit gerechnet und wir haben uns damals entschlossen dorthinzugehen, haben das gemacht in Wanda selber, kam unser zweites Kind unsere Tochter zur Welt haben dann da knapp drei höchst intensive Jahre verbracht, die für mich in meinem Lebenslauf ja gar keine so lange Distanz beschreiben.
00:19:47: aber von der Intensität und von der inhaltlichen Füllung sage ich mal.
00:19:53: Ja im Grunde unüberbietbar waren was den Rest der Zeit betraf.
00:19:58: Darf
00:19:58: ich da auch noch einmal einhaken?
00:20:00: Das war
00:20:00: dann...
00:20:04: Das ist, glaub ich auch ganz wichtig um diese Zeit einzuordnen.
00:20:07: Und sofort dazu aber vielleicht auch weil unsere Zuhörerinnen und Zuhörer
00:20:12: das
00:20:12: bestimmt
00:20:13: gerne
00:20:15: hören möchten.
00:20:17: wie trifft man so eine Entscheidung aus dem Bauchaus da hinzugehen mit einem kleinen Kind?
00:20:23: Es war ein Säugling oder einen Kleinkind.
00:20:27: Wow!
00:20:28: Im Grunde genommen ja mit einem Auftrag doch mit vielen Fragezeichen, wieso die Umstände sein werden.
00:20:39: Schon so ein bisschen aus dem Bauch heraus ich bin meiner damaligen ersten Frau sehr dankbar dass sie das mitgemacht hat obwohl sie noch nie in Rwanda gewesen war bis dahin und wir haben dort gerne gelebt aber auch sofort gemerkt dass Rwanda ein Land war, das faktisch nach wie vor im Krieg lebte.
00:20:58: Also wir hatten damals so erzählt gekriegt, in der Kircherische Auseinandersetzung, die war beim Grunde zu Ende hieß es immer und als wir dann da waren, kriechten wir mit – das stimmte eigentlich nicht!
00:21:10: Und wir haben dann in der Summe knapp drei Jahre dort gelebt, in dem ja Krieg und Gewalt immer stärker wurden und dann ja ihre komplette Explosionen fanden im April, in der der Genozid in Rwanda ausbrach nach dem Tod des Präsidenten durch einen Abschluss seines Flugzeuges.
00:21:36: Und dann kamen also hundert Tage, kann man sagen, die in der Dimension der Gewalt in der Weltgeschichte mehr oder weniger einzigartig sind.
00:21:47: Wir sind geflüchtet das auch noch... getrennt und war ganz schwierig, aber dann in Deutschland sind wir wieder gelandet.
00:21:55: Und hatten es in dem Sinne wesentlich besser als viele unserer rwandischen engen Freunde.
00:22:03: Also alleine von meinen vier ängsten Mitarbeitern sind zwei damals ermordelt worden ein weiterer ist nachher ungerechtfertigt ins Gefängnis gesteckt worden und dort gestorben und einen einziger Vierter hat überlebt und lebt mittlerweile im Ausland.
00:22:19: Also das waren schon sehr, sehr harte Dinge.
00:22:23: Aber die betrafen uns nicht unmittelbar.
00:22:24: Die betraffen die Rwanda ganz unmittelbaar und wir waren im Grunde privilegiert dadurch dass wir relativ schnell dann doch fliehen konnten und haben uns damals entschlossen hier in Deutschland zu bleiben.
00:22:37: Nicht in ein weiteres Land wiederum fürs Missionswerk zu gehen sondern hier eine ja Gemeinde zu suchen, für eine Pfarrstelle.
00:22:45: Und das war dann hier in Bonn-Röttgen von der Jahr fourneunzig an bis zum sechzehn.
00:22:50: und der Kontakt nach Wanda ist aber insbesondere für mich nie abgerissen.
00:22:55: im Gegenteil ich bin immer wieder da gewesen bin an Friedensinitiativen beteiligt gewesen und habe gerade angesichts dieser furchtbaren Tragik mit der das Land zu tun hatte und irgendwo ja auch noch wie vor zu tun hat den Kontakt zu den Menschen, die diese Dinge ja noch viel massiver und unmittelbarer zu verarbeiten hatten als wir als ungemein bereichernd empfunden.
00:23:23: Und möchte in diesem Sinne auf das was ich selber dort erlebt habe und auch auf die ganze Folgezeit und die Kontakte nach dort in keinster Form verzichten!
00:23:35: Ich bin dafür sehr dankbar und wäre auch nie auf die Idee gekommen zu sagen bleibt mir vom Hals mit Juan da das ist ja alles nur ganz furchtbar oder so sondern ich betrachte es geradezu ein Privileg dass die Menschen, mit denen wir nach wie vor verbunden sind sich mir und uns immer noch sehr verbunden wissen und fühlen.
00:23:58: Und also zum Beispiel als ich das zweite mal geheiratet habe hat einen rwandischer enger Freund, Präsident meiner Kirche uns getraut hier in Röttgen gemeinsam mit einem deutschen Kollegen und das ist nur ein Zeichen dafür wie eng die Verbindung sind.
00:24:14: Von meinem Patenkind habe ich schon gesprochen und da könnten wir noch viele andere Dinge ansprechen diese Verbindungen nach wie vor und ich bin sicher für mein ganzes Leben ganz eng und intensiv erscheinen lassen.
00:24:31: Reichtuben an Erfahrungen im positiven Sinne.
00:24:38: Die Menschen, die das durchgemacht haben, dass sie heute noch nach vorne gucken können oder hoffentlich wieder nach vorne schauen können.
00:24:46: ist das für dich
00:24:47: auch
00:24:48: ein Weg nicht zu verzweifeln?
00:24:51: Absolut
00:24:52: ja!
00:24:52: Ein ganz ganz wichtiger Punkt also.
00:24:56: Ich habe so den Eindruck, wir im nach wie vor recht gesättigten Mitteleuropa werfen viel zu schnell die Flinte ins Korn wenn Dinge mal nicht so funktionieren wie wir das für normal halten würden.
00:25:09: Da können viele Leute aus Afrika eigentlich nur milde drüber lächeln weil sie mit ganz anderen Schwierigkeiten konfrontiert sind und erstaunlicherweise viel weniger als wir das Glas immer nur halb voll finden, sondern immer sagen da ist doch noch eine ganze Menge drin sozusagen und dann machen wir jetzt was draus.
00:25:28: Also Wanda hat kann man insgesamt schon einen bemerkenswerten Weg hinter sich.
00:25:34: seit fourneinzig und trotz der Dinge die dort sei es manifest sei im Hintergrund immer noch auch durchaus problematisch sind, finde ich wirklich eine Menge Bewunderung für das rohantische Volk.
00:25:48: Dass sich nach dieser
00:25:50: absoluten
00:25:50: Katastrophe neu auf den Weg gemacht hat und ich finde davon können wir eine Menge lernen.
00:25:58: also wir gerade in Deutschland haben ja schon die Angewohnheit, immer so die Haare in der Suppe zu sehen und darüber ich sage mal die Suppe vergessen.
00:26:09: Und das ist etwas was mir auch ganz wichtig geworden ist und ich hoffe dass sich in der Lage bin das dann auch zur Anwendung zu bringen wenn ich hier und jetzt mit Schwierigkeiten konfrontiert bin.
00:26:22: Dass ich da einfach immer wieder daran denke, Leute es gibt Menschen in anderen Gegenden der Welt die sind mit ganz anderen Sachen beschäftigt.
00:26:30: Da sollten wir mal ganz vorsichtig sein uns allzu stark zu beschweren.
00:26:35: Übrigens an dieser Stelle wiederum die Parallel zur biblischen Zeit wenn man an die Geschichte des Volkes Israel denkt zum Beispiel an die geschichte der ersten Christenheit Die wirklich unter ständiger Bedrohung von Leib und Leben ihren Alltag gestalten mussten und das geschafft haben.
00:26:53: Und auch Gottes Begleitung in alledem gespürt haben, dann glaube ich haben wir allen Anlass uns mal daran zu orientieren statt so viel rumzumärkeln wie ich das bei uns häufig meine Feststellen zu können.
00:27:11: Ja ein weiterer wichtiger Ort war ja dann deine Station hier in Bonn in den Ortsteil Röttgen Das für eine lange, lange Zeit von vierneinzig bis zwanzigsechzehn.
00:27:26: Ich kann mich gut daran erinnern.
00:27:27: Vierneinzig bin ich ungefähr auch hierhergekommen und hatte da blinde Flecken und ich weiß nicht wie das für dich war.
00:27:35: Aber ich kann mich aber daran erinnern dass es in dieser Zeit auch eine dramatische Geschichte in der Evangelischen Kirchengemeinde gab mit dem Fahrer der zuvor hier war Und ich will das jetzt gar nicht groß ausbreiten, aber das hatte eine Folge aus meiner Beobachtung des Misstrauens gegenüber der Kirche.
00:27:56: Wie war es für dich als du als junger Fahrer von dieser wirklich extremen Situation aus Afrika hierher kommend in diesen Ortsteil, indem man eigentlich gedacht hat bloß hinweg mit denen so ungefähr ob man dem wohl trauen kann?
00:28:11: habe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht so empfunden.
00:28:14: die geschichte ist mir natürlich bekannt geworden.
00:28:16: also mein vorgänger ist das inoffizielle mitarbeiter der stadtsicherheit der ddr enttarnt worden und dass war ein durchaus für viele menschen einen unheimlicher knacks im vertrauen zu ihm.
00:28:28: aber ich muss ehrlich sagen ich hatte nicht den eindruck, Die gesamte Kirche oder auf mich als Person quasi übertragen wurde.
00:28:36: Ich dachte manchmal vielleicht war es für die Leute gar nicht so verkehrt, dass dann neuer kam der Buchstäblich vom anderen Stern.
00:28:42: Ja also der nix zu tun hatte mit der deutsch-deutschen Problematik denn ich aus der DDR meinetwegen kam und mir ist überhaupt keine ja ich bin gar nicht in den selben Sack gesteckt worden wie meinen Vorgänger sondern habe eine Menge Vertrauen sofort entgegen gebracht bekommen.
00:29:07: Und die Leute haben sich damals neu auf den Weg gemacht, also ich kann nicht überhaupt nicht behaupten jetzt hier in Sipmaft genommen worden zu sein ganz und gar nicht und hatte einen guten Einstieg hier und habe auch das gemeintliche Binnenverhältnis der Leute zueinander, je länger das zu mehr doch auch als gut wahrgenommen.
00:29:29: und wir haben uns gut gemeinsam auf den Weg gemacht.
00:29:34: Würdest du sagen es gibt sowas wie Resilienz im Glauben?
00:29:38: Ja das gibt es!
00:29:39: Das glaube ich auf jeden Fall.
00:29:41: Und ich glaube nochmal wenn wir uns daran orientieren dass wir mitten in Schwierigkeiten doch immer irgendwo auch merken Wir kommen voran Und wir werden gehalten, wir werden getragen.
00:29:58: Dann kann sich diese Resilienz – ich habe ja auch vom Urvertrauen eingangs gesprochen – einstellen und ich wünsche das für mich persönlich, dass ich das haben und behalten möge und ich wünsche es auch der gesamten Kirche.
00:30:18: Und da sind natürlich auch die Menschen mit gemeint.
00:30:22: Die Menschen, die diese Kirche ausmachen...
00:30:24: Kirche sind Menschen!
00:30:25: Und nicht die... Damit
00:30:26: meine ich keine Gebäude?
00:30:27: Nein,
00:30:28: nein, das
00:30:29: ist wirklich
00:30:30: die Strukturen ganz genau.
00:30:32: Ja, welche Orte sind denn noch für dich wichtig?
00:30:36: vielleicht so ganz spontan Wenn ich an dich denke, muss ich immer an die Kirche in Düsseldorf.
00:30:42: In der Nähe der Königsallee denken.
00:30:45: Da waren wir mal... Die ist ja heute glaube ich so eine Stadt-Citykirche.
00:30:49: Ganz spannendes Thema eigentlich!
00:30:51: Wie stehst du dazu?
00:30:53: Du meinst die Johanneskirchen im Stadtzentrum in Düsseldorf und macht den Lutherplatz.
00:30:57: Doch bin ich groß geworden sozusagen Und mein Vater war dort lange Jahre Pfarrer, meine Mutter war dort in späterer Zeit lange Jahre Pressbitterin und ehrenamtlich tätig im Kirchencafé.
00:31:12: Das ist für mich natürlich auch ein Stück Heimat, die mich jetzt reingeografisch wieder näher gerückt bin seit ich in Neuss bin.
00:31:20: Meine Frau Ute und ich waren in den letzten Jahren mehrfach in der Johanneskirche zu verschiedenen Veranstaltungen unterschiedlicher Art.
00:31:28: Was ich mit der Johanneskirche als Gebäude ganz maßgeblich verbinde, ist der Kirchenchor die Kantorei.
00:31:37: Die dort probt und ihre Konzerte gibt.
00:31:43: und dort war ich Mitglied oder ich war schon im Kinderkorb bei Almut Rössler, der dortigen Kirchenmusikerin über lange Jahre.
00:31:55: Die hat mir sogar mal ein paar Jahre Klavierunterricht gegeben, das war allerdings nicht von keinem großen Erfolg gekrönt.
00:31:59: Ich hatte dann keine Lust mehr zu üben und hab das sein gelassen was ich nachher etwas bedauert habe.
00:32:04: so war es nunmal Und im Chor bei ihr bin ich allerdings dann Gerne gewesen hatte auch ganz viele Freundinnen und Freunde ganze große Klicke.
00:32:14: wir waren damals in einem Chor der ja der hatte vielleicht hundert Leute und ich würde sagen ein Drittel davon War achtzehn Jahre und Jünger eine Weile oder so eine riesig große Menge Jugendliche darin.
00:32:26: Und das hat mich geprägt einerseits natürlich der Gemeinschaft wegen, andererseits aber auch weil ich da an den Glauben durch Musik herangeführt worden bin was so mehr und mehr unterschwellig für mich eine ganz entscheidende Bedeutung gewonnen hat.
00:32:47: also viele Bibeltexte sind für mich von vornherein mit Melodien verbunden.
00:32:53: Und das habe ich dieser Zeit zu verdanken und Almut Rössler als Mensch und Co-Leiterin hat mich ganz massiv geprägt, kann ich sagen?
00:33:02: Wir haben Chorfahrten gemacht
00:33:03: usw.,
00:33:04: also war eine tolle Zeit!
00:33:07: Nachher im Studium haben meine Kollegen immer so Scherzhaft zu mir gesagt wenn du im Examen gefragt was nach dem Bibel fährst dann singste denen etwas vor.
00:33:17: Durch Musik nisten sich Worte ja ganz anders in einem Menschen ein, dass wenn man sie lediglich gesprochen hört oder selber spricht.
00:33:26: Und das habe ich erfahren dürfen und das hat mit der Johanniskirche ganz massiv zu tun weil da hat sich das alles abgespielt und wir haben dort Karnevalsfeten gemacht und was weiß ich?
00:33:38: Wir waren dann wirklich ständig soweit zu dieser Kirche.
00:33:41: Dann geht es in Düsseldorf eine weitere Kirche, der ich auch sehr eng verbunden bin.
00:33:46: Das ist die Neander-Kirche in der Bolkerstraße, in der Altstadt.
00:33:50: Dort bin ich konfirmiert worden durch meinen eigenen Vater und dort haben wir Jugendkottesdienste in so einem Team immer wieder gefeiert mit Oskar Gottlieblarre dem Kirchenmusiker, der dort war also alle eine Kirchengemeinde zu haben Almut Rössler und Oskar Gottliebler als Kirchenmusiker.
00:34:08: Das kann man sich gar nicht vorstellen, es sind beides Leute von internationalem Renommee gewesen... ...und ich habe jetzt im Nachhinein so allmählich erfasst wie privilegiert wir da waren und ich persönlich da war dass ich das so miterleben durfte.
00:34:23: mit Oskablar war ich beim kirchentag, hab damit ihm Ensemble gesungen Und habe an dem Tag, wo ich meinen ersten Gottesdienst gehalten hab als Praktikant in Düsseldorf rat.
00:34:34: Habe ich abends in der Neanderthirche den selben Gottesdiensten nochmal gehalten.
00:34:37: also insofern hat diese Kirche auch mit meiner mit meinen Pastoralen anfängen sage ich mal eine Menge zu tun.
00:34:42: Also Ich bin dieser Gemeinde von damals her und diesen beiden Lokalitäten eng verbunden
00:34:51: Würdest du würdest du die Erfahrung als besondere Nähe bezeichnen, die du da mitgenommen hast für dein Leben?
00:35:02: Also die Gemeinschaft zu fühlen regelrecht.
00:35:05: Die Musik hat dich so spürbar werden lassen.
00:35:12: das was dort gesagt wurde eigentlich also die Worte wurden spürba.
00:35:17: diese Nähe ist es dass was glauben möglich macht
00:35:21: Zumindest hat es mir den Zugang zum Glauben wahrscheinlich sehr stark erleichtert und eben eine bestimmte Prägung verlieren.
00:35:33: Es macht schon einen Unterschied, ob man was weiß ich so ein Bibelfers wie denn alles Fleisch ist wie Gras und aller Herrlichkeit wie das Feld des Blumen einfach so gesagt kriegt oder ob man den zweiten Satz des Brahmsrequemes hört, der diese Worte vertont hat.
00:35:52: Das war schon ganz eindringlich.
00:35:54: was bei der Johanneskirche noch hinzukommt das habe ich von vergessen doch habe ich jahrelang das gemacht was man Kindergottesdiensthelfer nannte.
00:36:03: heute sind es die Teamerinnen und Teamer.
00:36:05: ja und dass ist schon in elementarisierter Form, so ein bisschen Pastoralitätigkeit.
00:36:13: Kindern die biblischen Geschichten zu erzählen und das muss man so machen dass es wirklich Kinderplausibel wird.
00:36:20: Das ist eine hohe Anforderung und da bin ich damals auch so ein Stück weit reingewachsen und das war auch sicherlich einen Grund der bis zu meiner Berufswahl geführt hat.
00:36:32: Wie wichtig ist es für dich, dass das von Menschen kommt?
00:36:35: Und nicht... Ich grenze jetzt mal ab soziale Medien zum Beispiel?
00:36:39: Ich glaube, dass menschliche Kontakte immer viel authentischer sind als lediglich Kontakte durch irgendwelche Medien.
00:36:48: Also hinter Medien stehen auch Menschen das ist mir schon klar.
00:36:51: aber der unmittelbare wir würden heute sagen analoge Kontakt im Unterschied zum digitalen Kontakt ist für mich letzten Endes nicht ersetzbar.
00:37:03: letztendlich kann ich auch durch ein Medium, wir bewegen uns hier gerade in einer Aufzeichnung für ein Medium und ich hoffe natürlich dass das seinen Effekt haben wird.
00:37:13: Da kann man auch eine Menge mitnehmen ganz klar.
00:37:15: aber das unmittelbare sich in die Augen schauen auch sich in den Arm nehmen was weiß ich?
00:37:21: Das kann man eben nicht mit einem Medium und dafür ist der der physische unmittelbar menschliche Kontakt unverzichtbar.
00:37:29: und ich denke mal in diesem Sinne wird das nie unbedeutend werden, dass Menschen so miteinander umgehen.
00:37:36: und wo es nur noch über irgendwelche Medien läuft.
00:37:41: Da befürchte ich, dass doch eine Lehrstelle bleibt die gefüllt werden muss damit das Ganze erfüllend wird.
00:37:51: So viele Orte hatten wir schon aber da ist bestimmt noch einiges.
00:37:56: mich würde jetzt interessieren machst du auch mal Pause?
00:38:00: Ich höre da so viel Aktivität.
00:38:02: Ich würde noch einen Ort erwähnen wollen, das ist Sande in Friesland.
00:38:07: Ja gerne!
00:38:07: Aus Röttgen bin ich mit meiner Frau Ute nach Sandel in Friessland gegangen und wir wollten mal gemeinsam an einem Ort anfangen... Wir waren beide zweite Mal verheiratet und irgendwie war die Entwicklung immer ein bisschen ungleichzeitig.
00:38:23: also ich war schon in Röttgern sie kam dazu und so wir wollten einmal gemeinsam an einen Ort anfingen.
00:38:28: dass haben wir in Sande erleben dürfen haben dort ganz liebe Menschen kennengelernt, Freunde gefunden und trotzdem aus verschiedenen Gründen gedacht da wollen wir dann doch nicht bleiben.
00:38:38: Und ich habe mich dann noch einmal wegbeworben und war am Ende froh in Neuss gewählt worden zu sein weil ich da schon ein Alter hatte wo das gar nicht mehr so leicht war gewählt zu werden.
00:38:51: Ich bin nur ein paar mal nicht gewählt geworden.
00:38:52: auch diese Erfahrung hab ich dabei machen müssen was vielleicht ja auch ganz gesund war und ich möchte aber Sande nicht in Vergessenheit geraten lassen, nur weil es eine etwas kürzere Phase war.
00:39:02: Und jetzt wie gesagt Neues mache ich auch mal Pause.
00:39:05: natürlich mache ich noch mal Pause.
00:39:07: Ich hätte das jetzt echt nicht unbedingt nur mit Sande verbunden Aber das schöne Friesland Das lädt ja vielleicht auch Mal zur Pause
00:39:13: ein.
00:39:14: Ja, das stimmt schon haben wir auch gemacht.
00:39:17: Wir sind auch mal auf die Insel Spiegel gefahren oder was weiß ich.
00:39:20: Also so Sachen haben wir natürlich auch gemacht.
00:39:24: nochmal zum Stichwort Pause Ja, gibt es.
00:39:28: Wir sind dort oben viel spazieren gegangen mit unserer Hündin die wir damals hatten.
00:39:33: Das war auch so.
00:39:36: Jetzt wenn ich jetzt Pause mache dann Auch deswegen weil ich gerne meinem Hobby dem singen nachgehe.
00:39:44: das hat mit der Kirche in dem Moment nichts zu tun.
00:39:47: Ich singe in einem Chor in Köln Völlig anderes Pflaster wenn man so will und das tue ich gern.
00:39:55: Und ich hoffe, dass ich gemeinsam mit meiner Frau zukünftig noch viel mehr Zeit dazu finden werde, ja Freizeitaktivitäten zu machen und auch mal zu reisen.
00:40:06: Das ist schon ein Problem im Fahrberuf, das man selten einfach einmal so natürliche Freizeiten hat.
00:40:15: Also häufig sind wir gefordert zu arbeiten wenn andere Leute Freizeite haben.
00:40:21: die Wochenenden sind da sowieso zu nennen Und viele Feiertage sind einmal kirchliche Feiertagen.
00:40:27: Wir sagen ja manchmal so ein bisschen lakonische und die liebsten Feiertages sind unsikatholischen, da haben wir dienstlich nichts zu tun und können aber wirklich selber was machen.
00:40:35: Aber insgesamt kommt dieser Aspekt schon eher etwas zu kurz.
00:40:42: Das erhoffe ich mir in Zukunft natürlich verstärkt und das ist einer der Gründe warum mich jetzt auch nicht auf den Ruhestand
00:40:48: freue.
00:40:51: In der Vorbereitung auf unser Gespräch habe ich da auch eine Erinnerung im Kopf gehabt, die durchaus an Freizeit erinnert.
00:41:01: Aber gleichzeitig auch an das Thema in welchen Welten bin ich denn gerade unterwegs?
00:41:08: Beruflich oder privat?
00:41:10: und da hätte ich mal die Frage Jörg wie hältst du es mit dem Karneval?
00:41:16: Hier in Röttgen habe ich ja gerne den Karnevall immer mitgefeiert.
00:41:21: Wir haben ja immer teilgenommen mit meinem Gospelchall, den ich hier gegründet und geleitet hatte.
00:41:27: Tom's Glory Singers an dem hiesigen lokalen Karnevalszug.
00:41:31: jedes Jahr ein neues Motto in der Regel auch ein neues Motorlied Verkleidungen Und dann haben wir Camel gepackt.
00:41:37: also das war ja wirklich gut organisiert und da haben wir die geschmissen.
00:41:43: Ich musste immer aufpassen, dass ich am Ende noch ein paar Strüsse übrig hatte.
00:41:46: Wenn ein paar Damen aus meinem Seniorenkreis kamen die hätte ich nicht enttäuschen dürfen und sagen leider schon alles weg.
00:41:52: also das hat natürlich auch unheimlich Spaß.
00:41:54: Die Mai-Königin?
00:41:55: Ja zum Beispiel die.
00:41:57: Schön!
00:41:59: Habe ich sehr gerne gefeiert.
00:42:01: an der Stelle.
00:42:03: jetzt in Neuss bin ich da nicht sehr aktiv an dieser Stelle.
00:42:07: grundsätzlich finde ich in Karnaval eine sehr schöne Sache.
00:42:10: dann wenn er Kreativität freisetzt, sag ich mal.
00:42:15: Also kann nicht viel anfangen mit Feierlichkeiten wo man sich nur die Kante gibt und dann irgendwie völlig stoned in der Ecke liegt.
00:42:23: das finde ich ist nicht der Sinn der Sache.
00:42:26: aber Karneval kann ja etwas sehr kreatives sein auch dieses herrschaftskritische Moment wo es denn durchkommt wo es nicht so verspießheit ist wie man das manchmal auch erlebt finde ich grad, der Karneval hat ein enormes Potenzialum in unserer Gesellschaft wichtige Dinge zur Sprache zu bringen.
00:42:44: Also ich hab schon jedes Jahr immer mich sehr interessiert.
00:42:47: für die Karnevalswagen von Jaktili und Düsseldorf zum Beispiel ist ja mittlerweile auch fast ungewollt bekannt geworden in ganz Deutschland.
00:42:57: Wir haben ihn Neues, auch Karneval aber nicht so stark.
00:43:01: was da ganz stark dominiert ist das Schützenfest.
00:43:04: Neues ist die Schützenstadt fast weltweit und ich gestehe dass das für mich eine Welt ist mit der ich nicht viel anfangen
00:43:11: kann.
00:43:13: Lass uns mal auf sich beruhen ich möchte gar nicht groß begründen isst nicht meine Welt.
00:43:18: demgegenüber finde ich den Karnevall eine sehr kreative Angelegenheit wenn es denn darauf hin zugespitzt wird.
00:43:25: Genau, damit habe ich dich eigentlich auch nur in Assoziation gebracht.
00:43:29: also deine reinischen Wurzeln waren deutlich zu sehen und auch die Freude eben an dem Ich will mal sagen überziehen einer Rolle.
00:43:38: Und ja da wäre so meine Frage was war denn da dein Lieblingskostüm?
00:43:43: Oh was mein Lieblungskostümen muss ich mir echt überlegen.
00:43:47: Das kann nicht so einfach!
00:43:55: Ich musste die gerade in Gedanken nochmal durch Und das fällt mir jetzt gar nicht so leicht, dass genau zu beschreiben.
00:44:07: Ich glaube ich hab dack!
00:44:08: kein Lieblingskostüm.
00:44:11: Wir haben alles möglich gemacht, wir waren als Chinesen unterwegs.
00:44:15: Wir waren als Araber unterwegs und als Afrikaner unterwegs.
00:44:18: Als Hühner unterwegs!
00:44:19: Wir waren also Kürbisse, die das Bier verkaufen.
00:44:25: Und das hat irgendwie alles Riesenspass gemacht.
00:44:29: Ich könnte jetzt gar nicht sagen, dass ich ein Lieblingskostüm hätte.
00:44:33: Und wie ist das für dich dann in eine andere Rolle zu schlüpfen, als sozusagen ich bin jetzt mal der Chineser oder der Köbes?
00:44:42: Es hat Spaß gemacht und es hat dann auch seine Zeit.
00:44:46: Das ist dann auch irgendwann vorbei und dann ist gut.
00:44:49: aber wie gesagt es hat großen Spaß gemacht hatte er auch häufig mit Liedern zu tun die wir dazu gesungen haben.
00:44:59: Und ja, das waren so kleine Projekte die wir hatten und die haben die Stimmung gehoben.
00:45:05: Aber auch danach wieder gut.
00:45:06: Dann haben wir uns neue Herausforderungen zugewandt.
00:45:09: Du sprichst jetzt gerade in der Wir-Form also da siehst du dich eben auch in dieser Gemeinschaft, die da unterwegs war und das Brauchtum hier mit gefeiert hat und dann zusätzliche Aktivitäten entfalten konnte?
00:45:25: Was hat das denn vielleicht an Parallele mit der Situation im Beruf zu sein oder auch mal privat zu sein, zu tun?
00:45:38: Ich verspüre im Beruf jetzt nicht so sehr den Aspekt.
00:45:44: Dass also etwa wenn ich mir ein Talar überziehe... Also total in eine andere Rolle schlüpfe.
00:45:51: Ein Stück weit stimmt das und dass bestimmte Funktion, ich würde mal eher von Funktionen als von Rolle sprechen.
00:46:01: Einnehme das ist mir bewusst wenn ich eine Bestattung habe und ich laufe im Talar auf dem Friedhof rum dann wird vor mir auch ein Stück weit etwas erwartet, ein Stück Stabilität und ich stehe für eine bestimmte Botschaft und so.
00:46:16: Das hab ich gerade in den letzten Tagen noch mehrfach erlebt weil ich mehrere Beerdigungen hatte.
00:46:20: Und natürlich ist es dann etwas anderes, wenn ich das Gewand wieder ablege und dann wieder der Jörg bin sag' ich jetzt mal.
00:46:28: Aber auf der einen Seite würde ich mal sagen, auch wenn ich der Jorg-Binn irgendwo immer als Pfarrer identifizierbar oder ansprechbar bin und umgekehrt hoffe ich, dass wenn ich dieses Gewand trage, nicht auf einmal ein völlig anderer werde sondern das was mich menschlich und mein Charakter ausmacht, da in gewisser Form auch zum Tragen bringen.
00:46:54: Ich finde es problematisch wenn man den Eindruck hat jemand wird nur weil er einen Gewand anlegt ein völlig anderer Mensch und ist kaum noch wieder erkennbar als der den man ansonsten kennt.
00:47:07: Ein Stück weit verschieben diese Schwerpunkte ja wohl aber ich hoffe dass sich an den verschiedenen Orten in den verschiedenen Funktionen, die mein Leben ausmachen
00:47:19: doch
00:47:19: auch immer mit mir identisch bin.
00:47:23: Oder vielleicht auch authentisch
00:47:26: zu
00:47:26: sein?
00:47:28: Ja ich denke mir das ist nicht so leicht wenn man auch daran denkt wie schwierig Situation im beruflichen Leben sein können und dass da vielleicht auch mal der Wunsch ist oh ich will auch mal ganz bei mir sein also auch im Sinne einer Selbstfürsorge.
00:47:46: Ja klar, zum Beispiel folgendes ich habe es immer abgelehnt meine Kinder zu taufen.
00:47:54: Ich hab keins meiner Kinder getauft.
00:47:56: bei der Taufe wollte ich Der Taufvater sein.
00:48:01: Ich habe meinen Sohn getraut da war es anders und meine Kinder habe ich auch konfirmiert.
00:48:05: gut die waren in meinen konfirmen Gruppen aber ich würde zb kategorisch ablehnen einen engen verwandt, also aus meinem engsten Umfeld zu bestatten.
00:48:16: Das könnte ich nicht!
00:48:17: In dem Moment bin ich der trauernde Sohn oder was weiß ich?
00:48:23: Ich hoffe mir bleiben da schwere Schicksalsschläge erspart.
00:48:27: Ich hoffe dass mir das nie mit meiner Frau und meinen Kindern gehen wird.
00:48:34: aber das zum Beispiel für mich eine ganz klare Grenze.
00:48:36: Ich bin einmal von einem Onkel von mir gebeten worden oder zweimal sogar mittlere Weile von einem Onkel und einmal einen Patenonkel gebildet worden, sie zu bestatten.
00:48:45: Und kann bei beiden sagen ich stand mir nicht so nahe dass sich das nicht hätte tun können.
00:48:52: hier unter habe ich enge Freunde Freundin bestattet und musste mich wahnsinnig zusammennehmen.
00:48:58: ja Das kann schon mal so sein dass man auch den Wunsch hätte Ja jetzt wäre es vielleicht lieber nur auf der Seite derer die da mit Trauern und Feiern dürfen.
00:49:09: Wenn du dann gefragt wirst, das zu machen sagst natürlich auch nicht nein so schnell.
00:49:15: aber da muss man genau so ein bisschen versuchen zu taxieren.
00:49:18: was kann ich mir zumuten?
00:49:20: wo kann ich meinen Dienst einbringen?
00:49:22: und wo ist aber auch eine Grenze?
00:49:23: also bei meinen beiden Eltern war ganz klar dass hätte ich nicht gekonnt ja und dann habe ich es auch nicht gemacht.
00:49:34: welche Garten welche Talente hast Du?
00:49:37: um mit diesen schwierigen Situationen, die manchmal sehr freudig sein können.
00:49:43: Aber auch eben sehr belastend und traurig.
00:49:45: Denk da zum Beispiel an deine Erfahrungen in der Notfallseelsorge.
00:49:52: Welche Gaben oder Talente hast du an dir entdeckt, um gut mit dir und anderen in solchen Situationen umzugehen?
00:50:02: Ich glaube ich kann schon relativ gut von Situation zu Situation umschalten.
00:50:07: Stichwort Notfallseelsorge, da gab es tatsächlich die Situationen.
00:50:11: Die haben mich auch in der akuten Lage enorm belastet und dann muss ich nachher was weiß ich mich wieder ins Auto setzen und nach Hause fahren?
00:50:22: Und dann ist es in der Regel tatsächlich so dass ich das dann auch ein Stück weit ablegen kann und dann auch wieder schlafen kann nachts zum Beispiel Ich bin sehr dankbar dafür selbst bei ganz schwierigen persönlichen Situationen in der Regel meinen Schlaf hatte.
00:50:46: Also auch was, also in Rwanda habe ich bei manchen Nächten akut wach gelegen das stimmt und es möchte ich manchmal nicht nochmal erleben müssen im Leben.
00:50:57: aber als es dann darum ging ihm nach hinein diese Dinge zu verarbeiten hat es mich zum glück so gut wie nie bis in meine Träume verfolgt.
00:51:09: Das kann man ja nicht steuern, entweder einem ist das geschenkt oder eben nicht und man kann es nicht herbeizaubern.
00:51:16: Und da bin ich froh dass sich so ein Szenenwechsel relativ gut in meinem Leben hinbekomme.
00:51:23: In meinem Beruf ist es so, dass ich teilweise wirklich von jetzt auf gleich völlig unterschiedliche Situation habe und umschalten muss.
00:51:30: Das muss gar nicht immer hoch dramatisch sein aber das sind unterschiedliche Dinge.
00:51:36: Da mache ich meinetwegen ein Trauerbesuch, direkt danach muss ich Verwaltung machen und danach habe ich Konfi.
00:51:46: Ich hatte...ich erinnere mich, ich hab mehrere Vicarin und Vicarinnen gehabt und Praktikanten und Prakthikanthinnen.
00:51:51: Ich erinnte mich an eine Praktikanthin.
00:51:53: die hat man einen Tag mit mir gemacht.
00:51:54: das waren dann vielleicht auch mal so acht Stunden am Stück.
00:51:57: Die war danach fix und fertig!
00:52:00: weil dieses ständige Umschalten von Situation und Situation, obwohl sie gar nichts machen muss.
00:52:04: Sie musste quasi nur dabei sein und beobachten aber das hat sich dermaßen angefasst diese ständigen Tapetenwechsel dass die am Ende dieses Arbeitstages wirklich platt war und sich ernsthaft die Frage stellt kann ich morgen eigentlich wiederkommen oder muss ich jetzt erstmal eine Pause einlegen?
00:52:24: ja?
00:52:24: Und da bin ich froh, dass mir das vielleicht auch von Anfang an mit der Berufstätigkeit irgendwo klar war, du musst umschalten können und das gelingt mir in aller Regel gut.
00:52:38: Und das ist glaube ich eine wichtige Eigenschaft und ein wichtiges Geschenk so möchte ich sagen weil ich nicht wüsste wie ich es methodisch herstellen kann dass nötig ist um gewisse Herausforderungen gerade in meinem Beruf zu bewältigen.
00:52:54: der beruf hat seine seinen großen Reiz nicht zuletzt darin, dass er quasi die gesamte Palette des Lebens umfasst.
00:53:02: Von Himmel hoch Jauchzen bis zu Tode betrübt von Seuchlingen bis zum Greis, von was weiß ich In-Länder ausländer alle Leute soziale Gruppen ganz unterschiedlich.
00:53:13: das ist toll.
00:53:14: man hat das pralle Leben vor sich.
00:53:16: aber auf der anderen Seite eben auch der ständige Wechsel zwischen allem und teilweise unangekündigt nicht alles.
00:53:23: bei uns kann man nur abarbeiten an der Schnur gezogen, wie man sich das geplant hat.
00:53:27: Sondern da kommen eben auch Dinge ganz spontan auf einen zu und ich bin froh dass ich irgendwie von Anfang an in der Lage war diese Vielfalt um den ständigen Wechsel der Situationen zu bewältigen.
00:53:43: In aller Regel es gibt ein paar Ausnahmen Da war ich auch mal fix und fertig musste einmal eine Todesnachricht Von einem jungen Mann nacheinander, weil sie alle nicht zusammen waren.
00:53:55: Die waren aller an verschiedenen Orten erst sein Bruder dann dem Vater Dann der Mutter und zum Schluss der Freundin überbringen.
00:54:04: Nach der Aktion da konntest du mich in die Tonne packen Da war ich dann auch wirklich zu nix mehr fähig.
00:54:10: an dem Tag Da habe ich alles was danach kam abgesagt Und musste wirklich gucken.
00:54:15: Ich weiß gar nicht wie ich das gemacht hab aber Ich konnte nicht weiterarbeiten.
00:54:19: Das ist mir schon eine Erinnerung, das war extrem.
00:54:23: Aber in der Regel war es so, dass ich nach jeder etwas schwierigeren Sache erst mal was für einen halben Tag Pause gebraucht habe.
00:54:31: Das wäre in dem Beruf auch schwierig.
00:54:34: Es kann man sich einfach nicht immer erlauben.
00:54:38: Ich höre da eine große Belastbarkeit aus dir sprechen die also immer wieder dich aufnehmen lässt auch solche Sachen.
00:54:47: Und gleichzeitig frage ich mich, ob das nur geht wenn man eine Berufung spürt.
00:54:56: Eine Berufung genau das zu tun was du jetzt beschrieben hast als
00:55:00: Pfarrer?
00:55:00: Ich würde es so formulieren, ich fühle mich in Alledämen wie ich das jetzt schon mehrfach genannt habe gehalten und getragen von Gott.
00:55:11: Unter dieser Voraussetzung glaube ich, dass ist die unausgesprochene Konstante die mitläuft in alledem Und ohne das würde es nicht gehen.
00:55:22: Aber da bin ich Gott sei Dank auch nie total irre dran geworden, also die Ereignisse in Rwanda aber auch ein paar private Eregnisse oder Eregense mit engen Angehörigen und Freunden haben mich schon mal so an bestimmte Grenzen geführt.
00:55:38: Ich bin dann doch froh dass ich immer wieder den Eindruck hatte, ich konnte mich zusammennehmen und es ging dann auch weiter und nicht nur weil ich das jetzt mit Augen zu und durch mir abgerungen hätte, erzwungen hätte.
00:55:51: Sondern weil mir irgendwie tatsächlich auch die Kraft dazu geschenkt worden
00:55:55: ist.".
00:55:56: Ja?
00:55:57: So hast du es ja auch mal sehr schön formuliert als du damals den Abschlussgott des Dienstier gefeiert
00:56:02: hast
00:56:03: dass die Gaben dir geschenkten wurden und du sie angenommen hast voller Dankbarkeit Und diesen Weg dann eben auch positiv gehen konntest wie du hier wunderschön darstellst.
00:56:18: Ja, mit deinem Wissen und deiner Erfahrung heute.
00:56:20: Was würdest du deinen jungen Kolleginnen und Kollegen mitgeben?
00:56:28: Also ich würde jedem und jeder raten... Das klingt jetzt so altbacken und so gar nicht sehr pfiffig!
00:56:39: Ich will sagen liest die Halle geschrift?
00:56:44: ja also nicht einfach von vorne bis hinten stuhl durch?
00:56:47: das meine ich so nicht aber Speiste ich immer wieder aus der Quelle unseres Glaubens, so könnte ich sagen.
00:56:55: Ich glaube da ist immens viel an Schatz drin das zu heben sich lohnt und dass mich zumindest immer wieder neu auch überrascht hat kleinste Elemente in Texten die ich eigentlich auswendig seit langem kenne Und auf einmal wird mir ein Aspekt deutlich, den ich vorher nicht so auf dem Schirm hatte.
00:57:19: So Sachen gibt es auch und deswegen das ist tatsächlich etwas was mir zunehmend sogar wichtig geworden ist.
00:57:27: Und ja, es hat auch mit meinem eintritt im Ruhestand nichts zu tun.
00:57:31: Ich wünsche mir das auch für die Zukunft weiterhin!
00:57:34: Dann würde ich jedem empfehlen versuche dich ein Stück weit gut zu organisieren, aber haltet ihr auch immer Freiräume.
00:57:49: Natürlich für dich selbst ganz klar!
00:57:51: Aber auch für ungeplantes im Beruf.
00:57:55: Der Pfarrberuf lässt sich nicht an der Schnur gezogen von morgens bis abends durchtakten, durch strukturieren und das finde ich ganz besonders wichtig.
00:58:08: Und habt dein Ohr immer an den Leuten so gut du kannst?
00:58:14: Sei mit Menschen in Kontakt.
00:58:16: Also die zwei Kontakte sind wichtig, eine ist zur Quelle des Glaubens und der andere zu den Menschen, mit denen du zu tun hast.
00:58:23: Diese beiden Ohren gewissermaßen solltest Du immer offen halten Und nicht nur die Ohren auch das Herz für beides.
00:58:33: Vielen Dank lieber Jörg.
00:58:35: Das ist ein wunderschönes Schlusswort Dass Du uns hier mitgegeben hast.
00:58:43: Trotzdem vielleicht noch so der Gedanke.
00:58:46: Gibt es noch eine Frage, die ich dir unbedingt stellen sollte?
00:58:57: Eigentlich nicht.
00:58:59: Wenn sie dir nicht eingefallen ist muss sie mir jetzt auch nicht an deiner Stelle einfallen.
00:59:04: Ja natürlich!
00:59:06: Also mir ist es nochmal wichtig zu sagen
00:59:09: dass
00:59:11: dieser
00:59:11: Ort hier
00:59:13: für mich durch dich eine besondere Prägung erhalten hat, Und für dich auch sehr dankbar bin und insofern es ist mir eine große Freude, dass du heute hier bei uns warst.
00:59:30: In diesem Sinne
00:59:31: auf bald!
00:59:33: Vielen Dank.
00:59:33: ich danke dir nochmal für die Einladung
00:59:35: und
00:59:36: das war auch für mich sehr schön hier bei dir zu sein.
00:59:41: Das war unsere Sendung mit Jörg Zimmermann.
00:59:44: Danke fürs Zuhören!
00:59:47: Freut euch auf den nächsten Sendungen mit Utah Knoll Deutsche Meisterin der Biersommeliers.
00:59:54: Wie immer am letzten Freitag im Monat, das ist nächstes Mal, am August.
01:00:00: Schlagsahne mit Biss!
01:00:03: Einfach das Leben einfach mal machen.
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